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Sensorische Reaktivität als diagnostisches Kriterium für Autismus im DSM-5

Originaltitel: Sensory Reactivity Symptoms as a Diagnostic Criterion for Autism Spectrum Disorder in DSM-5

Mit dem DSM-5 wurden sensorische Besonderheiten – Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber Reizen sowie ungewöhnliches Interesse an sensorischen Aspekten der Umwelt – erstmals explizit als diagnostisches Kriterium für Autismus aufgenommen. Diese Arbeit fasst die Evidenzlage zusammen, die zu dieser Änderung führte.

Autor:innen
Ben-Sasson, A., Hen, L., Fluss, R., Cermak, S. A., Engel-Yeger, B., & Gal, E.
Jahr
2019
Studiendesign
Systematische Übersichtsarbeit / narrative Zusammenfassung von Studien zu sensorischer Verarbeitung
Publikation
Journal of Autism and Developmental Disorders (exemplarische Einordnung)

Worum geht es?

Wie gut belegt ist sensorische Reaktivität als eigenständiges diagnostisches Merkmal von Autismus, und wie verbreitet ist sie?

Wie wurde untersucht?

Zusammenfassung von Verhaltens-, Frageboden- und physiologischen Studien zu sensorischer Verarbeitung bei autistischen Kindern und Erwachsenen im Vergleich zu nicht-autistischen Kontrollgruppen.

Was kam heraus?

  • Sensorische Auffälligkeiten treten bei geschätzt 69–95 % autistischer Personen auf, deutlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung.
  • Über- und Unterempfindlichkeit können gleichzeitig in unterschiedlichen Sinnesbereichen auftreten.
  • Sensorische Besonderheiten korrelieren mit Angst, sozialer Belastung und Alltagsschwierigkeiten.

Was wir daraus ziehen können

  • Sensorische Besonderheiten sind ein Kernmerkmal von Autismus, nicht nur eine Begleiterscheinung.
  • Diagnostische Verfahren sollten sensorische Fragen systematisch einbeziehen.
  • Unterstützungsangebote profitieren von individueller sensorischer Anpassung.

Einordnung durch die Redaktion – keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung.

Grenzen der Aussage

Die Zusammenschau beruht auf heterogenen Studien mit unterschiedlichen Messinstrumenten für sensorische Verarbeitung.

  • Unterschiedliche Erhebungsinstrumente erschweren Vergleichbarkeit der Studien
  • Viele Studien basieren auf Elternfragebögen statt objektiven Messungen
  • Wenig Forschung zu sensorischen Besonderheiten im Erwachsenenalter im Vergleich zu Kindheit

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