Fortbestehen von ADHS bis ins Erwachsenenalter: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Originaltitel: Persistence of ADHD into adulthood: a systematic review and meta-analysis
Ein Großteil der im Kindesalter diagnostizierten ADHS-Fälle bleibt in irgendeiner Form bis ins Erwachsenenalter symptomatisch, auch wenn sich das Erscheinungsbild verändert.
- Autor:innen
- Sibley, M. H. et al.
- Jahr
- 2022
- Studiendesign
- Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Längsschnittstudien
- Publikation
- American Journal of Psychiatry
Worum geht es?
Wie viele Menschen mit ADHS-Diagnose im Kindesalter erfüllen im Erwachsenenalter weiterhin diagnostische Kriterien oder zeigen relevante Beeinträchtigungen?
Wie wurde untersucht?
Zusammenführung longitudinaler Verlaufsstudien, die Kinder mit ADHS-Diagnose über Jahrzehnte bis ins Erwachsenenalter begleitet haben.
Was kam heraus?
- Ein erheblicher Teil der Betroffenen zeigt auch im Erwachsenenalter noch klinisch relevante Symptome oder Beeinträchtigungen.
- Die sichtbare Hyperaktivität nimmt häufig ab, Aufmerksamkeits- und Organisationsprobleme bleiben oft bestehen.
- Diagnosekriterien, die auf Kindheitsverhalten ausgelegt sind, unterschätzen die Persistenz bei Erwachsenen.
- Rückblickende Selbstberichte Erwachsener stimmen nicht immer mit ursprünglichen Kindheitsdiagnosen überein.
Was wir daraus ziehen können
- ADHS „verwächst sich“ bei vielen Betroffenen nicht vollständig, sondern verändert sich in der Ausprägung
- Erwachsene sollten bei Verdacht unabhängig von einer früheren Kindheitsdiagnose sorgfältig untersucht werden
- Eine Verlaufsdiagnostik sollte aktuelle Beeinträchtigung stärker gewichten als reine Symptomzahl
Einordnung durch die Redaktion – keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung.
Grenzen der Aussage
Longitudinalstudien unterscheiden sich in Nachuntersuchungszeiträumen und verwendeten Diagnosekriterien.
- Retrospektive Erinnerung an Kindheitssymptome ist fehleranfällig
- Stichproben stammen teils überwiegend aus klinischen Kontexten
- Definitionsunterschiede von „Persistenz“ erschweren Vergleichbarkeit
Quellen
Originalarbeit und weiterführende offizielle Referenzen.
- OriginalstudieSibley, M. H. et al. (2022): Persistence of ADHD into adulthood: a systematic review and meta-analysis
- LeitlinieAWMF-Leitlinie ADHS
- KlassifikationDSM-5-TR
- DatenbankPubMed-Datenbank
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