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Diagnostik

ADHS: Diagnosekriterien verstehen

Was ICD-11 und DSM-5-TR wirklich verlangen – und warum „unaufmerksam sein“ allein keine Diagnose ergibt.

9 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • DSM-5-TR: 5 Symptome (Erwachsene) bzw. 6 (Kinder) über 6 Monate.
  • Zusätzlich nötig: früher Beginn, mehrere Lebensbereiche, Beeinträchtigung, keine bessere Erklärung.
  • ICD-11 arbeitet stärker beurteilend als über feste Zählschwellen.
  • ADHS und Autismus sind seit DSM-5 gemeinsam diagnostizierbar.

ADHS wird in DSM-5-TR über zwei Symptomlisten beschrieben: Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivität und Impulsivität. Für Erwachsene ab 17 Jahren müssen mindestens fünf Symptome eines Bereichs über mindestens sechs Monate bestehen; für Kinder sind es sechs. Die ICD-11 (Code 6A05) beschreibt dieselben Kernbereiche, arbeitet aber weniger mit festen Zählschwellen und stärker mit einer klinischen Gesamtbeurteilung.

Entscheidend sind vier Zusatzbedingungen, die in Selbsttests fast immer fehlen: Die Merkmale müssen früh im Leben begonnen haben (DSM-5-TR: einige Symptome vor dem 12. Lebensjahr), in mindestens zwei Lebensbereichen auftreten, die Funktionsfähigkeit deutlich beeinträchtigen und nicht besser durch eine andere Erkrankung erklärbar sein.

DSM-5-TR unterscheidet drei Erscheinungsbilder: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und kombiniert. Diese Zuordnung ist keine feste Persönlichkeitsschublade – sie kann sich über die Lebensspanne verändern, weil sich vor allem sichtbare Hyperaktivität im Erwachsenenalter oft nach innen verlagert (innere Unruhe, Gedankenrasen).

Seit DSM-5 dürfen ADHS und Autismus gemeinsam diagnostiziert werden. Das war bis 2013 ausgeschlossen und ist einer der Gründe, warum viele Menschen mit AuDHS jahrzehntelang nur eine halbe Erklärung bekamen.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. KlassifikationWHO · 2024
    ICD-11: 6A05 Attention deficit hyperactivity disorder
  2. KlassifikationAmerican Psychiatric Association · 2022
    DSM-5-TR – Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Text Revision
  3. LeitlinieAWMF · 2018
    S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)
  4. LeitlinieNICE · 2019
    ADHD: diagnosis and management (NG87)

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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