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Warum wird ADHS bei Frauen so oft übersehen oder falsch diagnostiziert?

Originaltitel: ADHS bei Frauen: Konsensusempfehlungen zu Unterdiagnose und Fehldiagnosen

Ein internationales Expertengremium erarbeitet Konsensusempfehlungen zur Verbesserung von Diagnostik und Versorgung von Frauen mit ADHS, da diese im Vergleich zu Männern häufiger unter- oder fehldiagnostiziert werden.

Autor:innen
Young, S., Adamou, M., Bolea, B., et al.
Jahr
2020
Studiendesign
Expertenkonsensus (Delphi-Verfahren)
Publikation
BMC Psychiatry

Worum geht es?

Welche Faktoren tragen zur Unterdiagnose und Fehldiagnose von ADHS bei Frauen bei, und wie lässt sich die Versorgung verbessern?

Wie wurde untersucht?

Systematische Literaturrecherche kombiniert mit einem strukturierten Konsensusverfahren unter internationalen ADHS-Expert:innen zur Formulierung klinischer Empfehlungen.

Was kam heraus?

  • Frauen mit ADHS zeigen häufiger unaufmerksamkeitsbetonte statt hyperaktive Symptome, die seltener erkannt werden.
  • Hormonelle Schwankungen über den Zyklus, Schwangerschaft und Wechseljahre beeinflussen die Symptomausprägung.
  • ADHS bei Frauen wird häufig zunächst als Angststörung oder depressive Störung fehldiagnostiziert.
  • Soziale Kompensationsstrategien führen dazu, dass Beeinträchtigungen im klinischen Setting unterschätzt werden.

Was wir daraus ziehen können

  • Diagnostische Verfahren sollten hormonelle und lebensphasenspezifische Faktoren berücksichtigen.
  • Fachkräfte sollten bei Frauen aktiv nach unaufmerksamkeitsbetonten Symptomen fragen.
  • Eine bessere Aufklärung kann Fehldiagnosen wie Angst- oder Persönlichkeitsstörungen reduzieren.

Einordnung durch die Redaktion – keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung.

Grenzen der Aussage

Als Konsensuspapier basiert die Arbeit auf Experteneinschätzungen, nicht auf neuen Primärdaten.

  • Konsensusverfahren können bestehende Meinungsverzerrungen der beteiligten Expert:innen widerspiegeln.
  • Zugrunde liegende Studienlage zu Frauen mit ADHS bleibt insgesamt begrenzt.
  • Wenig Berücksichtigung nichtbinärer und transgeschlechtlicher Personen.

Quellen

Originalarbeit und weiterführende offizielle Referenzen.

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