Studienbibliothek
AutismusSensorikEvidenzstufe II
Unterschiede der sensorischen Verarbeitung im Autismus-Spektrum
Originaltitel: Sensory processing differences across the autism spectrum
Sensorische Unterschiede sind ein Kernmerkmal und stark mit Alltagsbelastung verknüpft.
- Autor:innen
- Robertson, C. & Baron-Cohen, S.
- Jahr
- 2020
- Studiendesign
- Systematisches Review
- Publikation
- Nature Reviews Neuroscience (exemplarische Einordnung)
Worum geht es?
Wie unterscheidet sich die Verarbeitung von Sinnesreizen bei autistischen Menschen – und welche Rolle spielt das im Alltag?
Wie wurde untersucht?
Systematische Zusammenschau psychophysischer, bildgebender und Fragebogenstudien zu Seh-, Hör- und Tastsinn.
Was kam heraus?
- Sensorische Über- und Unterempfindlichkeiten sind sehr häufig und betreffen mehrere Sinne gleichzeitig.
- Sie sind kein Randphänomen, sondern gehören seit DSM-5 zu den diagnostischen Merkmalen.
- Ausmaß und Muster sind hochindividuell – „das autistische Sinnesprofil“ gibt es nicht.
Was wir daraus ziehen können
- Reizreduktion (Licht, Lärm, Gerüche) ist eine der wirksamsten und billigsten Anpassungen in Schule und Beruf.
- Overload ist eine körperliche Reaktion, kein Verhaltensproblem – entsprechend sollte darauf reagiert werden.
- Individuelles Sinnesprofil erheben statt pauschale Maßnahmen verordnen.
Einordnung durch die Redaktion – keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung.
Grenzen der Aussage
Uneinheitliche Messinstrumente zwischen Studien.
- Fragebögen und Labormessungen korrelieren oft nur mäßig.
- Wenig Forschung zu Erwachsenen und zu älteren Menschen.
- Viele Studien mit kleinen Stichproben.
Quellen
Originalarbeit und weiterführende offizielle Referenzen.
- OriginalstudieRobertson, C. & Baron-Cohen, S. (2020): Sensory processing differences across the autism spectrum
DOI: 10.1038/nrn.2017.112
- KlassifikationDSM-5-TR: Autism Spectrum Disorder
- KlassifikationICD-11: Autism spectrum disorder (6A02)
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