Diagnostische Genauigkeit von ADOS-2 und ADI-R zur Feststellung von Autismus
Originaltitel: Diagnostic Accuracy of ADOS-2 and ADI-R in Identifying Autism Spectrum Disorder
Diese Studie untersuchte, wie zuverlässig die weit verbreiteten Diagnoseinstrumente ADOS-2 (Verhaltensbeobachtung) und ADI-R (Elterninterview) Autismus korrekt erkennen, insbesondere in Kombination mit klinischem Urteil.
- Autor:innen
- Kamp-Becker, I. et al. (u. a. deutsche Multizenterstudien)
- Jahr
- 2018
- Studiendesign
- Multizentrische Validierungsstudie diagnostischer Instrumente
- Publikation
- European Child & Adolescent Psychiatry (exemplarische Einordnung)
Worum geht es?
Wie gut identifizieren ADOS-2 und ADI-R tatsächlich vorliegenden Autismus, und wie stark verbessert ihre Kombination die diagnostische Genauigkeit gegenüber alleinigem klinischen Eindruck?
Wie wurde untersucht?
Anwendung von ADOS-2 und ADI-R bei einer großen Stichprobe von Kindern und Jugendlichen mit Verdacht auf Autismus, Abgleich mit einer klinischen Referenzdiagnose (Best-Estimate-Diagnose durch erfahrene Fachpersonen).
Was kam heraus?
- ADOS-2 allein zeigte gute, aber nicht perfekte Sensitivität und Spezifität, mit Über- und Unterdiagnosen je nach Subgruppe.
- Die Kombination aus ADOS-2, ADI-R und klinischem Urteil erhöhte die diagnostische Genauigkeit gegenüber einzelnen Instrumenten.
- Bei Personen mit guten sprachlichen Fähigkeiten oder ohne Intelligenzminderung war die Testgenauigkeit geringer als bei stärker beeinträchtigten Kindern.
Was wir daraus ziehen können
- Standardisierte Testinstrumente ersetzen nicht das klinische Fachurteil, sondern ergänzen es.
- Bei subtileren Ausprägungen ist erhöhte diagnostische Sorgfalt notwendig.
- Kombination mehrerer Informationsquellen verbessert die Diagnosesicherheit deutlich.
Einordnung durch die Redaktion – keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung.
Grenzen der Aussage
Die diagnostische Genauigkeit variiert je nach Alter, Sprachniveau und Geschlecht der untersuchten Personen, was die Übertragbarkeit einschränkt.
- Geringere Testgenauigkeit bei Mädchen und sprachlich kompetenten Personen
- Abhängigkeit von der Erfahrung der durchführenden Fachpersonen
- Referenzdiagnose selbst ist kein perfekter Goldstandard
Quellen
Originalarbeit und weiterführende offizielle Referenzen.
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