Studienbibliothek
ADHSKinderDiagnostikEvidenzstufe I

Die weltweite Prävalenz von ADHS: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaregression

Originaltitel: The worldwide prevalence of ADHD: a systematic review and metaregression analysis

Eine vielzitierte Übersichtsarbeit zeigt, dass die weltweite ADHS-Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen bei rund 5 Prozent liegt und Unterschiede zwischen Ländern vor allem methodisch bedingt sind.

Autor:innen
Polanczyk, G. et al.
Jahr
2007
Studiendesign
Systematische Übersichtsarbeit mit Metaregression
Publikation
American Journal of Psychiatry

Worum geht es?

Wie hoch ist die weltweite Prävalenz von ADHS bei Kindern und Jugendlichen, und erklären kulturelle Unterschiede die berichtete Variabilität?

Wie wurde untersucht?

Systematische Analyse von 102 Studien aus verschiedenen Weltregionen mit Metaregression zur Untersuchung methodischer und geografischer Einflussfaktoren auf die Prävalenzschätzung.

Was kam heraus?

  • Die geschätzte weltweite Prävalenz liegt bei etwa 5,3 Prozent.
  • Unterschiede zwischen Weltregionen sind größtenteils durch diagnostische Kriterien und Erhebungsmethoden erklärbar, nicht durch tatsächliche kulturelle Unterschiede.
  • Strengere diagnostische Kriterien (z. B. Beeinträchtigungsnachweis) senken die geschätzte Prävalenz deutlich.
  • Die Studie widerlegt die Annahme, ADHS sei ein rein westliches oder kulturell konstruiertes Phänomen.

Was wir daraus ziehen können

  • ADHS tritt weltweit in vergleichbarer Häufigkeit auf – es ist kein regionales Phänomen
  • Unterschiedliche Zahlen in Studien erklären sich oft durch Messmethoden, nicht durch reale Unterschiede
  • Eine sorgfältige Diagnostik nach einheitlichen Kriterien ist entscheidend für verlässliche Zahlen

Einordnung durch die Redaktion – keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung.

Grenzen der Aussage

Die eingeschlossenen Studien unterscheiden sich stark in Stichprobenauswahl und Diagnoseinstrumenten.

  • Teils veraltete diagnostische Kriterien in älteren Primärstudien
  • Erwachsenenpopulationen wurden kaum berücksichtigt
  • Publikationsbias zugunsten auffälliger Prävalenzunterschiede ist möglich

Hast du noch Fragen?

Deine Antwort markiert die Studie als gelesen.