Studienbibliothek
ADHSKinderDiagnostikEvidenzstufe I

Die Erblichkeit von ADHS: eine Metaanalyse von Zwillingsstudien

Originaltitel: The heritability of attention-deficit/hyperactivity disorder: a meta-analysis of twin studies

Zusammenfassung jahrzehntelanger Zwillingsforschung zeigt, dass ADHS zu einem sehr hohen Anteil erblich bedingt ist.

Autor:innen
Faraone, S. V. et al.
Jahr
2019
Studiendesign
Metaanalyse von Zwillings- und Familienstudien
Publikation
Neuroscience & Biobehavioral Reviews

Worum geht es?

Wie hoch ist der genetische Anteil an der Entstehung von ADHS im Vergleich zu Umweltfaktoren?

Wie wurde untersucht?

Zusammenführung von Daten aus zahlreichen Zwillingsstudien unterschiedlicher Länder und Altersgruppen zur Schätzung der Erblichkeit (Heritabilität) von ADHS-Symptomen.

Was kam heraus?

  • Die Erblichkeit von ADHS liegt im Mittel bei etwa 70–80 Prozent.
  • Gemeinsame Familienumwelt spielt eine vergleichsweise geringe Rolle.
  • Genetische Effekte zeigen sich konsistent über Kulturen und Erhebungsmethoden hinweg.
  • Molekulargenetische Studien (GWAS) bestätigen eine polygene, komplexe Vererbung.

Was wir daraus ziehen können

  • ADHS ist keine Folge von „falscher Erziehung“ – die genetische Komponente ist erheblich
  • Familienmitglieder von Menschen mit ADHS haben ein erhöhtes eigenes Risiko
  • Diagnostik sollte familiäre Vorbelastung als Hinweis mit einbeziehen

Einordnung durch die Redaktion – keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung.

Grenzen der Aussage

Zwillingsstudien schätzen Heritabilität statistisch, einzelne ursächliche Gene sind damit nicht identifiziert.

  • Heritabilitätsschätzungen sind populationsbezogen, nicht individuell übertragbar
  • Gen-Umwelt-Interaktionen werden nur teilweise erfasst
  • Molekulargenetische Einzelbefunde sind bislang wenig spezifisch

Hast du noch Fragen?

Deine Antwort markiert die Studie als gelesen.