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AuDHS

AuDHS: ADHS und Autismus gemeinsam

Reizhunger und Reizschutz im selben Gehirn – warum die Kombination eigene Regeln hat.

9 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • AuDHS ist keine eigene Diagnose, sondern eine häufige Kombination.
  • Erst seit DSM-5 (2013) dürfen beide Diagnosen gemeinsam vergeben werden.
  • Gegenläufige Bedürfnisse sind typisch, nicht widersprüchlich.
  • Strategien müssen Struktur und Stimulation gleichzeitig abdecken.

AuDHS ist keine eigene Diagnose, sondern das gemeinsame Auftreten von ADHS und einer Autismus-Spektrum-Störung. Studien finden Überschneidungen in erheblicher Größenordnung: Je nach Stichprobe erfüllen etwa 20 bis 50 % der autistischen Menschen auch ADHS-Kriterien und rund 20 bis 40 % der Menschen mit ADHS zeigen klinisch relevante autistische Merkmale.

Die Kombination erzeugt Widersprüche, die von außen wie Inkonsequenz wirken: Bedürfnis nach Neuem und Bedürfnis nach Gleichbleibendem, Reizsuche und Reizüberlastung, Impulsivität und Planungsstarre. Viele Betroffene beschreiben ein ständiges inneres Aushandeln zwischen beiden Systemen.

Diagnostisch führt das häufig zu Verzögerungen. Die ADHS-Symptome überdecken autistische Merkmale (und umgekehrt), sodass oft nur eine der beiden Diagnosen gestellt wird – nicht selten mit dem Ergebnis, dass Therapie und Nachteilsausgleiche nur zur Hälfte passen.

Für den Alltag heißt das: Strategien müssen beide Seiten bedienen. Struktur und Vorhersehbarkeit für den autistischen Teil, Stimulation und Flexibilität für den ADHS-Teil. Reine ADHS-Ratgeber oder reine Autismus-Ratgeber greifen bei AuDHS oft zu kurz.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. ReviewEuropean Child & Adolescent Psychiatry · 2010
    Rommelse et al.: Shared heritability of attention-deficit/hyperactivity disorder and autism
  2. ReviewCurrent Psychiatry Reports · 2019
    Antshel & Russo: ADHD and autism spectrum disorder – overlap and treatment implications
  3. ReviewFrontiers in Psychiatry · 2022
    Hours et al.: ASD and ADHD comorbidity – what are we talking about?

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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