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Medikamente

Medikamentöse Behandlung bei ADHS

Was Leitlinien empfehlen, wie gut die Evidenz ist – und was Medikamente nicht leisten.

11 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Leitlinien empfehlen multimodal: Psychoedukation, Medikation, Psychotherapie, Umfeld.
  • Methylphenidat (Kinder/Jugendliche) und Amphetamine (Erwachsene) sind erste Wahl.
  • Starke Kurzzeitevidenz, deutlich schwächere Langzeitevidenz.
  • Kontrollen von Blutdruck, Puls und Gewicht gehören dazu.

Leitlinien empfehlen bei ADHS einen multimodalen Ansatz: Psychoedukation zuerst, dann – je nach Schweregrad, Alter und Belastung – Medikation, Psychotherapie und Anpassungen in Schule, Studium oder Beruf. Bei ausgeprägter Beeinträchtigung im Erwachsenenalter ist Medikation nach NICE NG87 in der Regel erste Wahl, bei jüngeren Kindern stehen Eltern- und Umfeldinterventionen davor.

Wirkstoffe teilen sich in Stimulanzien (Methylphenidat, Amphetaminpräparate) und Nicht-Stimulanzien (u. a. Atomoxetin, Guanfacin). Eine große Netzwerk-Meta-Analyse in Lancet Psychiatry (Cortese et al., 2018) fand Methylphenidat als erste Wahl bei Kindern und Jugendlichen sowie Amphetamine bei Erwachsenen – jeweils bezogen auf kurzfristige Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Die Effektstärken auf Kernsymptome sind im Vergleich zu vielen anderen psychiatrischen Behandlungen hoch. Gleichzeitig gilt: Die belastbare Evidenz betrifft überwiegend Zeiträume von Wochen bis wenigen Monaten. Für Langzeiteffekte gibt es vor allem Register- und Beobachtungsdaten, die Hinweise – aber keine Kausalbeweise – liefern.

Typische unerwünschte Wirkungen sind Appetitminderung, Einschlafstörungen, Kopfschmerz, Blutdruck- und Pulsanstieg. Deshalb gehören Ausgangsuntersuchung und regelmäßige Kontrollen von Gewicht, Blutdruck und Puls zum Standard. Die Dosis wird individuell titriert, nicht nach Körpergewicht allein.

Medikamente verändern nicht, ob jemand Strategien kennt – sie verändern die Wahrscheinlichkeit, sie anzuwenden. Struktur, Schlaf, Bewegung und Umfeldanpassung bleiben deshalb Teil der Behandlung, nicht Alternativen dazu.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Über Beginn, Wechsel oder Absetzen einer Medikation entscheidest du gemeinsam mit einer behandelnden Ärztin oder einem Arzt.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. ReviewThe Lancet Psychiatry · 2018
    Cortese et al.: Comparative efficacy and tolerability of medications for ADHD (Netzwerk-Meta-Analyse)
  2. LeitlinieNICE · 2019
    ADHD: diagnosis and management (NG87)
  3. LeitlinieAWMF · 2018
    S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)
  4. KonsenspapierNeuroscience & Biobehavioral Reviews · 2021
    Faraone et al.: International Consensus Statement on ADHD

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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