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Selbstakzeptanz

Eine Diagnose verarbeiten: der Weg danach

Wie sich das Leben nach einer ADHS- oder Autismus-Diagnose verändern kann und welche Gefühle dabei normal sind.

8 Min Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Reaktionen auf eine Diagnose reichen von Erleichterung bis Trauer und sind alle nachvollziehbar.
  • Trauer um die Vergangenheit ist ein normaler Teil der Verarbeitung bei spät gestellten Diagnosen.
  • Der Umgang mit dem sozialen Umfeld und die Frage, wem man von der Diagnose erzählt, ist individuell zu entscheiden.
  • Austausch mit anderen Betroffenen und ggf. Psychotherapie können die Verarbeitung unterstützen.

Der Moment, in dem eine Diagnose von ADHS oder Autismus ausgesprochen wird, kann sehr unterschiedliche Gefühle auslösen. Manche Menschen empfinden Erleichterung, weil endlich eine Erklärung für langjährige Schwierigkeiten gefunden wurde. Andere reagieren mit Verwirrung, Trauer oder auch Wut, insbesondere wenn die Diagnose erst spät im Leben gestellt wird.

Diese unterschiedlichen Reaktionen sind alle nachvollziehbar und es gibt keinen „richtigen” Weg, mit einer Diagnose umzugehen. Manche Menschen brauchen Wochen oder Monate, um die neue Information in ihr Selbstbild zu integrieren, während andere schnell einen pragmatischen Umgang finden.

Ein häufiges Gefühl bei spät gestellten Diagnosen ist eine Art Trauer um die Vergangenheit: Gedanken daran, wie das eigene Leben anders hätte verlaufen können, wenn die Diagnose früher gestellt worden wäre, oder wie viele Situationen im Rückblick durch das neue Wissen anders einzuordnen sind. Diese Trauer ist ein normaler Teil der Verarbeitung und muss nicht überwunden werden, um mit der Diagnose gut zu leben.

Gleichzeitig berichten viele Menschen von einem Gefühl der Erleichterung, weil bisherige Selbstvorwürfe wie „ich strenge mich einfach nicht genug an” oder „ich bin einfach zu empfindlich” durch ein neues Verständnis ersetzt werden können. Eine Diagnose kann helfen, das eigene Verhalten weniger als persönliches Versagen und mehr als Ausdruck einer bestimmten neurologischen Prägung zu verstehen.

Auch das soziale Umfeld reagiert unterschiedlich auf eine Diagnose. Manche Familienmitglieder oder Freunde zeigen Verständnis und Unterstützung, andere reagieren mit Skepsis oder Bagatellisierung. Der Umgang mit solchen Reaktionen kann für Betroffene eine eigene Herausforderung darstellen, die zusätzliche emotionale Kraft erfordert.

Die Frage, wem und wie man von einer Diagnose erzählt, ist sehr persönlich. Es gibt keine Verpflichtung, die eigene Diagnose öffentlich zu machen. Manche Menschen teilen sie nur mit engen Vertrauten, andere sprechen offen darüber, etwa im Beruf, um bestimmte Anpassungen zu erwirken. Beide Wege sind legitim und sollten individuell abgewogen werden.

Ein hilfreicher Schritt in der Verarbeitung kann der Austausch mit anderen Betroffenen sein, etwa in Selbsthilfegruppen oder Online-Communities. Zu erfahren, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann das Gefühl der Isolation verringern und praktische Anregungen für den eigenen Alltag liefern.

Auch eine begleitende Psychotherapie kann in der Phase nach einer Diagnose sinnvoll sein, insbesondere wenn die Diagnose starke emotionale Reaktionen auslöst oder alte, belastende Selbstbilder aufwirft, die bearbeitet werden wollen. Dabei geht es nicht darum, die Diagnose selbst zu „behandeln“, sondern den persönlichen Umgang damit zu unterstützen.

Mit der Zeit gelingt es den meisten Menschen, die Diagnose als einen Teil der eigenen Identität zu integrieren, ohne dass sie das gesamte Selbstbild dominiert. ADHS oder Autismus erklären wichtige Aspekte des eigenen Erlebens, sind aber nur ein Teil eines vielschichtigen Selbst mit eigenen Stärken, Interessen und Beziehungen.

Wer sich in der Verarbeitung einer Diagnose überfordert oder alleingelassen fühlt, kann sich professionelle Unterstützung suchen. Bei akuten Krisen steht die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 kostenfrei und rund um die Uhr zur Verfügung, im Notfall die 112. Es gibt keinen Grund, mit schwierigen Gefühlen allein zu bleiben.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. LeitlinieAWMF · 2018
    S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)
  2. LeitlinieAWMF · 2016
    S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Teil 1: Diagnostik (028-018)

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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