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AuDHS

AuDHS in der Schule: Wenn zwei Profile gleichzeitig übersehen werden

Schulische Anforderungen können bei AuDHS besonders widersprüchlich erlebt werden – Unterstützung braucht ein Verständnis für beide Profile zugleich.

11 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Schulisches Verhalten bei AuDHS kann widersprüchlich wirken, ist aber durch die Kombination beider Profile erklärbar.
  • Nachteilsausgleiche sollten individuell aus beiden Bereichen kombiniert werden.
  • Pausen und Übergänge sind besonders herausfordernde Momente im Schulalltag.
  • Enge Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Schule und Fachpersonen ist zentral für passende Unterstützung.

Schule ist ein Umfeld mit hohen Anforderungen an Konzentration, soziale Anpassung und Reizverarbeitung – Bereiche, die bei AuDHS gleichzeitig auf besondere Weise gefordert sind. Kinder und Jugendliche mit AuDHS erleben häufig, dass weder rein autismusspezifische noch rein ADHS-spezifische Fördermaßnahmen ihre tatsächlichen Bedürfnisse vollständig erfassen.

Ein häufiges Missverständnis in der Schule ist, dass ausgeprägte Detailgenauigkeit oder Interesse an einem Spezialthema (autistisch geprägt) mit Konzentrationsschwierigkeiten in anderen Fächern (ADHS-typisch) im Widerspruch zu stehen scheint. Lehrkräfte interpretieren dies mitunter als „Faulheit“ oder „selektives Interesse“, obwohl es sich um ein charakteristisches Muster ungleich verteilter Aufmerksamkeit handelt.

Auch das Verhalten im Unterricht kann widersprüchlich wirken: Ein Kind, das sich bei Reizüberflutung zurückzieht, aber gleichzeitig impulsiv dazwischenruft, wenn ein Thema besonders interessiert, wird von Lehrkräften manchmal als unberechenbar erlebt. Dieses Verhalten lässt sich jedoch gut erklären, wenn man autistische Reizempfindlichkeit und ADHS-typische Impulskontrolle gemeinsam betrachtet.

Pausenzeiten und Übergänge zwischen Unterrichtsstunden stellen für viele Kinder mit AuDHS besondere Herausforderungen dar, da sowohl soziale Anforderungen (Pausenhofdynamik) als auch der plötzliche Wegfall von Struktur gleichzeitig bewältigt werden müssen. Vorhersehbare Übergangsrituale und klar definierte Rückzugsorte können hier deutlich entlasten.

In Deutschland regelt die S3-Leitlinie zu Autismus-Spektrum-Störungen sowie ergänzend die Leitlinie zu ADHS, dass eine sorgfältige, multiprofessionelle Diagnostik notwendig ist, um beide Profile angemessen zu erfassen. Schulische Unterstützung sollte idealerweise auf einer solchen fundierten Diagnostik aufbauen, statt sich nur an äußerlich sichtbarem Verhalten zu orientieren.

Nachteilsausgleiche, wie sie im schulischen Kontext für Kinder mit Autismus oder ADHS möglich sind, sollten bei AuDHS individuell kombiniert werden, etwa verlängerte Bearbeitungszeiten bei Prüfungen, reizreduzierte Prüfungsräume, klare schriftliche statt rein mündlicher Anweisungen oder die Möglichkeit kurzer Bewegungspausen. Eine pauschale Übernahme von Maßnahmen aus nur einem der beiden Bereiche greift oft zu kurz.

Für Lehrkräfte kann es hilfreich sein zu verstehen, dass ein Kind mit AuDHS an einem Tag stark strukturiert wirken und am nächsten Tag deutlich unruhiger erscheinen kann, ohne dass sich an den grundlegenden Bedürfnissen etwas geändert hat. Diese Schwankungen sind oft Ausdruck wechselnder Belastung, nicht mangelnder Anstrengung oder Willenskraft.

Soziale Beziehungen zu Mitschülerinnen und Mitschülern können durch die Kombination beider Profile erschwert sein: Direkte, manchmal unerwartete Kommunikation, gepaart mit Impulsivität, kann zu Missverständnissen führen, die weder rein autistisch noch rein ADHS-bedingt erklärbar sind. Sozialtrainings, die auf die individuelle Kombination der Merkmale eingehen, können hier gezielter unterstützen als allgemeine Sozialkompetenztrainings.

Eltern berichten häufig, dass die Suche nach passender schulischer Unterstützung bei AuDHS besonders langwierig ist, weil Schulen, Ämter und Fachpersonen mitunter nur eines der beiden Profile im Blick haben. Eine enge, kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Schule und begleitenden Fachpersonen ist daher besonders wichtig, um ein stimmiges Gesamtbild zu erhalten.

Auch die emotionale Situation der Kinder selbst verdient Beachtung: Viele Kinder mit AuDHS erleben schon früh, dass sie „anders“ wahrgenommen werden, ohne dass ihnen die Gründe dafür erklärt werden. Altersgerechte, wertschätzende Aufklärung über die eigene Neurodivergenz kann das Selbstverständnis stärken und Schamgefühle reduzieren.

Letztlich profitieren Kinder und Jugendliche mit AuDHS am meisten von einem schulischen Umfeld, das nicht versucht, sie in ein einziges Störungsbild einzupassen, sondern die individuelle Kombination ihrer Stärken und Herausforderungen ernst nimmt und flexibel darauf reagiert.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. LeitlinieAWMF · 2021
    S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen, Teil 1: Diagnostik (028-018)
  2. LeitlinieAWMF · 2018
    S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)
  3. LeitlinieNational Institute for Health and Care Excellence · 2021
    NICE Guideline: Autism spectrum disorder in under 19s

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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