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AuDHS

AuDHS bei Kindern und Jugendlichen: Zwei Profile, ein Kind

Wenn Autismus und ADHS gemeinsam auftreten, brauchen Kinder und Jugendliche ein Verständnis, das beide Seiten ihrer Persönlichkeit einbezieht.

12 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • AuDHS bei Kindern zeigt sich oft als scheinbar widersprüchliches Verhaltensbild aus beiden Profilen.
  • Multiprofessionelle Diagnostik ist wichtig, um Überlappungen richtig einzuordnen.
  • Emotionale Regulation kann bei AuDHS besonders gefordert sein.
  • Familiäre und schulische Unterstützung sollte beide Profile gemeinsam berücksichtigen.

Kinder und Jugendliche mit AuDHS zeigen oft ein Verhaltensbild, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: intensives Interesse an bestimmten Themen bei gleichzeitiger Schwierigkeit, sich auf andere Aufgaben zu konzentrieren, ausgeprägtes Bedürfnis nach Routine bei gleichzeitiger Impulsivität, oder eine Mischung aus sozialem Rückzug und impulsivem sozialem Verhalten. Eltern und Fachpersonen benötigen daher ein Verständnis für beide zugrunde liegenden Profile gleichzeitig.

Die diagnostische Abklärung von AuDHS im Kindes- und Jugendalter erfolgt idealerweise durch ein multiprofessionelles Team, das sowohl Autismus als auch ADHS fundiert beurteilen kann. Die S3-Leitlinien zu beiden Störungsbildern betonen die Bedeutung einer sorgfältigen Differenzialdiagnostik, da sich Symptome überlappen und gegenseitig verstärken oder maskieren können.

Ein häufiges Beispiel ist, dass die für Autismus charakteristische Vorliebe für Routinen mit der für ADHS typischen Schwierigkeit, sich an Regeln zu halten, in Konflikt gerät. Ein Kind kann etwa eine feste morgendliche Reihenfolge dringend brauchen, gleichzeitig aber Mühe haben, diese ohne Erinnerungshilfen einzuhalten – ein Muster, das leicht als Trotz missverstanden werden kann, obwohl es sich um eine echte neurologische Herausforderung handelt.

In der Schule zeigt sich häufig ein wechselhaftes Bild: Phasen intensiver Konzentration bei favorisierten Themen stehen neben deutlichen Schwierigkeiten bei ungeliebten Aufgaben, verbunden mit sensorischer Überforderung durch Klassenzimmerreize. Dieses Muster kann bei Lehrkräften den falschen Eindruck erwecken, das Kind könne sich „bei Interesse doch konzentrieren“ und sei bei anderen Aufgaben einfach unmotiviert.

Emotionale Regulation ist bei AuDHS oft in besonderem Maße gefordert, da autistische Reizverarbeitung und ADHS-typische emotionale Impulsivität gemeinsam auftreten können. Wutausbrüche oder plötzliches Weinen können dadurch schneller und intensiver auftreten als bei Kindern mit nur einem der beiden Profile, was für das Umfeld herausfordernd sein kann, für das Kind selbst aber oft überwältigend und beängstigend ist.

Frühzeitige, kindgerechte Aufklärung über die eigene Neurodivergenz kann Kindern helfen, ein positives Selbstverständnis zu entwickeln, statt sich als „schwierig“ oder „falsch“ zu erleben. Altersgerechte Bücher, Gespräche und der Kontakt zu anderen neurodivergenten Kindern oder Jugendlichen können hier unterstützend wirken.

Familiäre Strukturen profitieren häufig von klaren, aber flexibel anpassbaren Tagesabläufen, visuellen Hilfsmitteln zur Orientierung sowie eingeplanten Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten. Eine Balance zwischen Vorhersehbarkeit und Raum für spontane Impulse muss oft individuell für jedes Kind austariert werden.

Therapeutische Begleitung, etwa Ergotherapie zur sensorischen Integration, verhaltenstherapeutische Elemente zur Emotionsregulation oder gegebenenfalls medikamentöse Unterstützung bei ausgeprägter ADHS-Symptomatik, sollte gemäß den Empfehlungen der jeweiligen Leitlinien individuell und in Absprache mit erfahrenen Fachpersonen erfolgen. Eine pauschale Übernahme von Therapieansätzen für nur ein Störungsbild wird der Komplexität von AuDHS oft nicht gerecht.

Geschwisterkinder und die gesamte Familie sollten in die Unterstützung einbezogen werden, da der Familienalltag durch die besonderen Bedürfnisse eines Kindes mit AuDHS insgesamt beeinflusst wird. Offene Gespräche über Neurodivergenz innerhalb der Familie können das gegenseitige Verständnis stärken und Konflikte reduzieren.

Jugendliche mit AuDHS stehen zusätzlich vor der Herausforderung, im Zuge der Identitätsentwicklung eine eigene Haltung zu ihrer Neurodivergenz zu finden – zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit zur Gleichaltrigengruppe und dem eigenen, oft anderen Rhythmus und Kommunikationsstil. Unterstützung durch Peergroups mit ähnlichen Erfahrungen kann in dieser Lebensphase besonders wertvoll sein.

Insgesamt profitieren Kinder und Jugendliche mit AuDHS am meisten von einem Umfeld, das nicht versucht, die beiden Profile getrennt zu behandeln oder gegeneinander auszuspielen, sondern die individuelle Kombination aus Stärken und Herausforderungen als Ganzes anerkennt und flexibel begleitet.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. LeitlinieAWMF · 2021
    S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen, Teil 1: Diagnostik (028-018)
  2. LeitlinieAWMF · 2018
    S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)
  3. LeitlinieNational Institute for Health and Care Excellence · 2021
    NICE Guideline: Autism spectrum disorder in under 19s

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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