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AuDHS

Freundschaften mit AuDHS: Verbindungen abseits gängiger Normen

Freundschaften können bei AuDHS anders entstehen und gepflegt werden – mit eigenen Herausforderungen und besonderen Qualitäten.

10 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Freundschaften bei AuDHS folgen oft eigenen, aber legitimen Mustern statt gängiger sozialer Normen.
  • Unregelmäßiger Kontakt bedeutet nicht automatisch mangelndes Interesse.
  • Themenbasierte und online vermittelte Freundschaften können besonders entlastend sein.
  • Klare, direkte Kommunikation über Bedürfnisse hilft, Missverständnisse zu vermeiden.

Freundschaften folgen oft ungeschriebenen sozialen Regeln: wie oft man sich meldet, welche Themen angemessen sind, wie Nähe und Distanz austariert werden. Für Menschen mit AuDHS können diese impliziten Regeln eine doppelte Herausforderung darstellen, da sowohl autistische Unsicherheiten im Erkennen sozialer Signale als auch ADHS-typische Vergesslichkeit oder Impulsivität eine Rolle spielen können.

Ein häufiges Muster ist, dass Kontakt zu Freundinnen und Freunden zwar herzlich gemeint, aber unregelmäßig gepflegt wird – nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil Zeitgefühl und Erinnerungsvermögen bei ADHS beeinträchtigt sein können, während gleichzeitig autistische Erschöpfung nach sozialen Kontakten zu notwendigen Rückzugsphasen führt. Für Außenstehende kann das wie Desinteresse wirken, obwohl die Verbundenheit oft sehr tief ist.

Viele Menschen mit AuDHS berichten, dass sie in tiefen, thematisch fokussierten Freundschaften aufblühen – etwa mit Menschen, die ein gemeinsames intensives Interesse teilen – während oberflächlicher Smalltalk oder große Gruppen eher belastend wirken. Diese Präferenz für wenige, aber intensive Freundschaften ist keine Einschränkung, sondern eine legitime, oft erfüllende Form sozialer Verbundenheit.

Missverständnisse entstehen häufig durch unterschiedliche Kommunikationsstile: Direkte, wörtliche Aussagen können von neurotypischen Freundinnen und Freunden als unhöflich empfunden werden, während impulsive Kommentare in Gesprächen ungewollt verletzend wirken können. Ein offener Austausch darüber, wie Kommunikation gemeint ist, kann viele dieser Missverständnisse auflösen.

Auch Verabredungen und Planung können eine Hürde darstellen: Spontane Einladungen können bei autistischer Präferenz für Vorhersehbarkeit Stress auslösen, während einmal getroffene Verabredungen durch ADHS-typische Vergesslichkeit versehentlich verpasst werden können. Klare, im Voraus kommunizierte Pläne mit Erinnerungshilfen können hier für beide Seiten hilfreich sein.

Der Vergleich mit gesellschaftlichen Erwartungen an Freundschaft – etwa ein großer Freundeskreis, regelmäßige gesellige Treffen oder spontane Verfügbarkeit – kann bei Menschen mit AuDHS zu dem Gefühl führen, „falsch“ befreundet zu sein. Es ist hilfreich, sich bewusst zu machen, dass Qualität und Tiefe einer Freundschaft nicht an der Häufigkeit des Kontakts oder der Größe des Freundeskreises gemessen werden müssen.

Online-Communities und themenbasierte Gruppen, etwa zu gemeinsamen Interessen, Hobbys oder auch zum Austausch über Neurodivergenz selbst, bieten für viele Menschen mit AuDHS einen zugänglicheren Rahmen für Freundschaften als klassische Face-to-Face-Situationen mit hohem sozialem Improvisationsdruck. Der Kontakt zu anderen neurodivergenten Menschen wird von vielen als besonders entlastend beschrieben, da weniger Masking notwendig ist.

Konflikte in Freundschaften können durch offene, konkrete Kommunikation oft besser gelöst werden als durch Andeutungen oder Erwarten, dass der andere „es doch merken müsste“. Für Menschen mit AuDHS ist es hilfreich, sich zu erlauben, klare Bedürfnisse zu formulieren, statt aus Angst vor Ablehnung zu schweigen und sich innerlich zurückzuziehen.

Auch das Setzen von Grenzen ist ein wichtiges Thema: Freundschaften profitieren davon, dass beide Seiten offen kommunizieren, wie viel Kontakt, welche Aktivitäten und welche Art von Unterstützung für sie stimmig sind, statt sich an äußeren Erwartungen zu orientieren, die möglicherweise nicht zu den eigenen Bedürfnissen passen.

Enttäuschungen über gescheiterte oder verblasste Freundschaften gehören für viele Menschen mit AuDHS zur Lebenserfahrung, oft verstärkt durch frühere Ausgrenzung oder Mobbing-Erfahrungen. Ein liebevoller, geduldiger Blick auf die eigene soziale Geschichte kann helfen, neue Freundschaften mit weniger Angst und mehr Selbstvertrauen anzugehen.

Letztlich zeigen viele Erfahrungsberichte, dass Freundschaften mit oder unter Menschen mit AuDHS von besonderer Ehrlichkeit, Verlässlichkeit im Kern und tiefem gegenseitigem Verständnis geprägt sein können, auch wenn sie äußerlich anders aussehen als gesellschaftlich erwartete Freundschaftsmuster.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. LeitlinieAWMF · 2021
    S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen, Teil 2: Therapie (028-047)
  2. ReviewDisability & Society · 2012
    Milton: On the ontological status of autism: the 'double empathy problem'
  3. KonsenspapierNeuroscience & Biobehavioral Reviews · 2021
    Faraone et al.: The World Federation of ADHD International Consensus Statement

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