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ADHS

Warum Konzentration bei ADHS so anstrengend sein kann

ADHS bedeutet nicht, dass man nicht aufmerksam sein kann – die Herausforderung liegt oft darin, Aufmerksamkeit gezielt zu steuern und Reize zu filtern.

7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei ADHS geht es nicht um zu wenig, sondern um eine anders regulierte Aufmerksamkeitssteuerung.
  • Reizfilterung funktioniert bei ADHS häufig weniger zuverlässig, was Ablenkbarkeit erhöht.
  • Bei hohem Interesse kann umgekehrt ein starker Hyperfokus entstehen.
  • Eine bewusst gestaltete, reizarme Umgebung kann die Konzentration deutlich unterstützen.

Der Name Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung führt oft zu einem Missverständnis: Es geht nicht darum, dass Aufmerksamkeit grundsätzlich fehlt, sondern darum, dass die Steuerung von Aufmerksamkeit anders funktioniert als bei den meisten Menschen ohne ADHS.

Ein zentraler Aspekt ist die Reizfilterung. Im Alltag prasseln ständig unzählige Reize auf uns ein, Geräusche, Bewegungen, Gedanken, optische Eindrücke. Das Gehirn muss ständig entscheiden, welche Reize wichtig sind und welche ignoriert werden können. Bei ADHS ist dieser Filterprozess häufig weniger zuverlässig, sodass mehr Reize gleichzeitig um Aufmerksamkeit konkurrieren.

Das erklärt, warum viele Menschen mit ADHS in reizarmen, ruhigen Umgebungen deutlich konzentrierter arbeiten können als in einem belebten Großraumbüro oder einem lauten Klassenzimmer. Es erklärt auch, warum Nebengeräusche wie ein tickender Wecker oder ein Gespräch am Nachbartisch als besonders störend erlebt werden können.

Gleichzeitig kann bei sehr interessanten oder neuen Reizen das Gegenteil eintreten: eine Art Hyperfokus, bei dem die Aufmerksamkeit so stark auf eine Sache gerichtet ist, dass alles andere ausgeblendet wird, teilweise so intensiv, dass Hunger, Zeit oder Termine komplett vergessen werden.

Diese Doppelseitigkeit – mal zu wenig, mal zu viel fokussiert zu sein, je nach Reiz – ist ein Kernmerkmal von ADHS und macht deutlich, dass es nicht um zu wenig, sondern um eine andere Regulation von Aufmerksamkeit geht.

Für den Alltag bedeutet das: Die Umgebung bewusst zu gestalten, kann einen großen Unterschied machen. Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, ein aufgeräumter Schreibtisch, feste Arbeitszeiten in ruhigeren Räumen oder das bewusste Vermeiden von Multitasking können helfen, die begrenzten Filterressourcen gezielt einzusetzen.

Auch kurze, geplante Pausen sind hilfreich, weil die notwendige Konzentrationsanstrengung bei ADHS oft schneller ermüdend wirkt als bei neurotypischen Menschen. Das bedeutet nicht weniger Leistungsfähigkeit, sondern einen höheren Energieaufwand für dieselbe Aufgabe.

Wichtig ist, die eigenen Reizmuster kennenzulernen: Welche Umgebungen, Tageszeiten und Aufgabentypen erleichtern die Konzentration, welche erschweren sie zusätzlich? Dieses Wissen ist oft wertvoller als allgemeine Konzentrationstipps, die nicht auf die individuelle Reizverarbeitung eingehen.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. LeitlinieAWMF · 2018
    S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)
  2. KlassifikationAmerican Psychiatric Association · 2022
    DSM-5-TR: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
  3. FachbuchGuilford Press · 2015
    Barkley: Attention-Deficit Hyperactivity Disorder – A Handbook for Diagnosis and Treatment

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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