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Kinder

ADHS in der Pubertät: Veränderungen und neue Herausforderungen

Mit der Pubertät verändert sich ADHS oft in seiner Erscheinung – von äußerer Unruhe zu innerer Zerrissenheit.

10 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • ADHS verändert sich in der Pubertät oft von äußerer zu innerer Unruhe.
  • Steigende schulische und soziale Anforderungen fordern exekutive Funktionen besonders.
  • Begleitung statt Kontrolle fördert die Entwicklung eigener Bewältigungsstrategien.
  • Ein wertschätzendes Umfeld beugt Scham und Rückzug vor.

Die Pubertät ist für alle Jugendlichen eine Zeit großer Veränderungen – körperlich, emotional und sozial. Für Jugendliche mit ADHS kommen zusätzliche Herausforderungen hinzu, da sich die typischen Merkmale von ADHS in dieser Lebensphase oft verändern und mit den ohnehin turbulenten Entwicklungsprozessen der Pubertät zusammentreffen.

Während bei jüngeren Kindern mit ADHS häufig die motorische Unruhe im Vordergrund steht, verschiebt sich das Bild bei vielen Jugendlichen hin zu innerer Unruhe, Konzentrationsproblemen, Stimmungsschwankungen und Schwierigkeiten bei der Selbstorganisation. Manche Jugendliche wirken nach außen ruhiger, kämpfen innerlich aber mit einem ständigen Gedankenkarussell.

Die Anforderungen in der Schule steigen in dieser Zeit erheblich: mehr Eigenverantwortung, komplexere Aufgaben, längere Projektarbeiten und die Erwartung, den eigenen Alltag zunehmend selbst zu organisieren. Gerade die exekutiven Funktionen, die bei ADHS oft eingeschränkt sind – etwa Planung, Priorisierung und Impulskontrolle – werden hier besonders gefordert.

Auch soziale Dynamiken verändern sich. Freundschaften werden komplexer, Gruppenzugehörigkeit wichtiger, und die Wahrnehmung durch Gleichaltrige gewinnt an Bedeutung. Jugendliche mit ADHS erleben manchmal, dass impulsive Kommentare oder Vergesslichkeit in Freundschaften zu Missverständnissen führen, was das Selbstwertgefühl belasten kann.

Hinzu kommt, dass die Pubertät ohnehin mit hormonellen Veränderungen und einer erhöhten emotionalen Empfindlichkeit einhergeht. In Kombination mit der bei ADHS häufig vorhandenen emotionalen Dysregulation kann das zu intensiveren Stimmungsschwankungen führen, die sowohl für die Jugendlichen selbst als auch für ihr Umfeld herausfordernd sein können.

Die S3-Leitlinie betont, dass die Behandlung von ADHS im Jugendalter individuell angepasst werden sollte, da sich Symptomatik und Bedürfnisse verändern. Eine kontinuierliche Begleitung, etwa durch Fachärzt:innen oder Therapeut:innen, kann helfen, die Behandlung – ob mit oder ohne Medikation – an die neue Lebensphase anzupassen.

Wichtig ist in dieser Zeit auch die zunehmende Selbstständigkeit der Jugendlichen selbst. Statt ausschließlich von außen gesteuert zu werden, sollten sie schrittweise lernen, eigene Strategien für Organisation, Zeitmanagement und Emotionsregulation zu entwickeln. Das gelingt am besten, wenn Erwachsene begleiten statt kontrollieren.

Digitale Hilfsmittel wie Erinnerungs-Apps, Kalender oder Timer können Jugendlichen helfen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen, ohne sich dabei überfordert zu fühlen. Auch das offene Gespräch über ADHS – was es ist, was es nicht ist – kann Jugendlichen helfen, ein realistisches und wohlwollendes Selbstbild zu entwickeln.

Ein Risiko in dieser Lebensphase ist, dass Jugendliche beginnen, ihre Schwierigkeiten zu verstecken oder sich für sie zu schämen, besonders wenn sie in der Schule oder im Freundeskreis negative Reaktionen erfahren haben. Ein unterstützendes, nicht wertendes Umfeld kann hier entscheidend entgegenwirken.

Auch das Thema Risikoverhalten verdient Aufmerksamkeit: Impulsivität kann in der Pubertät mit einer erhöhten Bereitschaft zu riskantem Verhalten zusammenfallen, etwa im Straßenverkehr oder im Umgang mit Substanzen. Offene, nicht moralisierende Gespräche darüber sind wertvoller als reine Verbote.

Letztlich ist die Pubertät bei ADHS keine Phase, die „überstanden“ werden muss, sondern eine Entwicklungschance: Viele Jugendliche entwickeln in dieser Zeit erste eigene Bewältigungsstrategien, die sie ihr ganzes Leben begleiten werden, wenn sie die nötige Unterstützung dabei erfahren.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. LeitlinieAWMF · 2018
    S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)
  2. KonsenspapierNeuroscience & Biobehavioral Reviews · 2021
    Faraone et al.: The World Federation of ADHD International Consensus Statement

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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