Das Wichtigste in Kürze
- Hyperaktivität zeigt sich bei Erwachsenen mit ADHS oft als innere statt äußere Unruhe.
- Das ständige Gedankenkarussell kann sehr erschöpfend sein und den Schlaf beeinträchtigen.
- Bewegung und handwerkliche Tätigkeiten können helfen, innere Unruhe zu kanalisieren.
- Innere statt äußere Unruhe ist ein Grund, warum ADHS bei Frauen häufiger übersehen wird.
Wenn von ADHS die Rede ist, denken viele zuerst an ein Kind, das nicht stillsitzen kann. Bei Erwachsenen zeigt sich Hyperaktivität jedoch häufig anders: weniger als sichtbares Zappeln, sondern als ständiges inneres Rattern, Gedankenkarussell oder das Gefühl, nie wirklich zur Ruhe zu kommen.
Diese innere Unruhe kann sich als ständiges Grübeln, als Schwierigkeit beim Einschlafen, als das Bedürfnis, immer etwas nebenbei zu tun, oder als generelle Rastlosigkeit äußern, selbst in Momenten, die eigentlich zur Entspannung gedacht sind, etwa im Urlaub oder beim Fernsehen.
Manche Menschen mit ADHS berichten, dass sie beim Sitzen unbewusst mit dem Bein wippen, an Gegenständen herumspielen oder häufig aufstehen müssen, um sich zu bewegen. Andere erleben die Unruhe fast ausschließlich mental, ohne äußerlich sichtbare Bewegung.
Diese unterschiedliche Ausprägung ist ein Grund, warum ADHS bei Mädchen und Frauen häufiger übersehen wird, da äußerlich sichtbare Hyperaktivität seltener auftritt und stattdessen eine eher unauffällige, aber innerlich sehr anstrengende Unruhe im Vordergrund steht.
Innere Unruhe kann auf Dauer sehr erschöpfend sein, weil das Gehirn selten wirklich abschaltet. Das kann sich negativ auf Schlaf, Erholung und langfristig auch auf die psychische Belastbarkeit auswirken, wenn keine passenden Bewältigungsstrategien gefunden werden.
Bewegung kann helfen, die innere Unruhe zu kanalisieren, etwa regelmäßiger Sport, Spaziergänge oder auch kleine Bewegungspausen im Alltag. Für manche Menschen ist auch handwerkliches oder kreatives Arbeiten mit den Händen hilfreich, um die Unruhe in etwas Produktives umzulenken.
Achtsamkeitsbasierte Ansätze werden häufig empfohlen, sollten aber realistisch eingeführt werden: Für viele Menschen mit ADHS ist klassische, lange, stille Meditation zunächst schwer zugänglich, weshalb kürzere, bewegungsorientierte Formen von Achtsamkeit oft besser passen.
Wenn innere Unruhe den Schlaf, die Konzentration oder das allgemeine Wohlbefinden deutlich beeinträchtigt, kann eine fachliche Abklärung helfen, herauszufinden, ob ADHS die Ursache ist und welche Kombination aus Strategien, Therapie oder Medikation im individuellen Fall sinnvoll sein könnte.
Quellen
Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.
- LeitlinieAWMF · 2018S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)
- KlassifikationAmerican Psychiatric Association · 2022DSM-5-TR: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
- ReviewFrontiers in Psychiatry · 2021Bougeard et al.: Prevalence of ADHD in adults – a systematic review
Wichtig einzuordnen
Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.
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