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Selbstakzeptanz

Freundschaften pflegen mit ADHS und Autismus

Warum Freundschaften für neurodivergente Menschen besondere Herausforderungen, aber auch besonderen Wert bedeuten können.

8 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ungeschriebene soziale Regeln in Freundschaften können für neurodivergente Menschen eine besondere Herausforderung sein.
  • Offenheit über eigene Bedürfnisse fördert meist mehr Verständnis als Verheimlichung.
  • Alternative Freundschaftsformen – etwa interessenbasierte Treffen – können besser passen als klassische Erwartungen.
  • Soziale Erschöpfung ernst zu nehmen schadet echten Freundschaften in der Regel nicht.

Freundschaften basieren häufig auf ungeschriebenen Regeln: regelmäßige Kontaktpflege, Erinnern an wichtige Ereignisse, ein Gespür dafür, wann jemand Unterstützung braucht oder lieber Ruhe möchte. Für Menschen mit ADHS oder Autismus können genau diese ungeschriebenen Regeln zur Herausforderung werden – nicht aus mangelndem Interesse an der Freundschaft, sondern weil Aufmerksamkeit, Zeitgefühl oder soziales Erspüren anders funktionieren.

Bei ADHS führt beispielsweise das Phänomen der Zeitblindheit häufig dazu, dass Nachrichten unbeantwortet bleiben oder Verabredungen vergessen werden, obwohl die Freundschaft für die betroffene Person sehr wichtig ist. Für Freundinnen und Freunde ohne ADHS kann das wie Desinteresse wirken, wenn die dahinterliegende Dynamik nicht bekannt ist.

Bei Autismus können Unsicherheiten im Erkennen sozialer Signale – etwa wann ein Gespräch beendet werden möchte oder wann jemand indirekt um Trost bittet – zu Missverständnissen führen. Gleichzeitig berichten viele autistische Menschen von einem hohen Bedürfnis nach tiefen, ehrlichen Freundschaften mit klaren, verlässlichen Strukturen, statt vieler oberflächlicher Kontakte.

Masking, also das bewusste oder unbewusste Verbergen neurodivergenter Verhaltensweisen, spielt auch in Freundschaften eine Rolle. Manche Menschen maskieren so stark, dass Freunde ihr „wahres“ Verhalten kaum kennenlernen, was auf Dauer zu Erschöpfung und dem Gefühl führen kann, nie wirklich gesehen zu werden.

Ein hilfreicher Ansatz ist, in engen Freundschaften offen über die eigenen Besonderheiten zu sprechen – etwa dass man Erinnerungen an Verabredungen braucht, dass man nach sozialen Situationen Erholungszeit benötigt oder dass verspätete Antworten nichts mit Desinteresse zu tun haben. Echte Freundinnen und Freunde reagieren auf solche Offenheit meist mit mehr Verständnis, nicht mit Ablehnung.

Auch die Wahl der Freundschaftsform kann angepasst werden: Statt vieler kurzer Treffen können längere, seltenere Begegnungen mit klarer Struktur (etwa ein gemeinsames Hobby) für manche neurodivergente Menschen passender sein. Online-Communities rund um gemeinsame Interessen bieten zudem oft niedrigschwelligere soziale Kontakte als spontane Face-to-Face-Interaktionen.

Wichtig ist auch der Umgang mit sozialer Erschöpfung: Es ist legitim, Einladungen abzusagen oder Kontakt zu reduzieren, wenn die eigenen Kapazitäten erschöpft sind – guten Freundschaften schadet das in der Regel nicht, solange dies offen kommuniziert wird, statt kommentarlos zu verschwinden.

Letztlich zeigen viele Erfahrungsberichte, dass Freundschaften zwischen neurodivergenten Menschen selbst oder mit verständnisvollen neurotypischen Menschen besonders stabil sein können, wenn beide Seiten bereit sind, unterschiedliche Ausdrucksformen von Verbundenheit anzuerkennen, statt eine Norm als Maßstab zu setzen.

Quellen

Grundlage dieses Beitrags. Wir priorisieren Leitlinien, Klassifikationen und systematische Übersichtsarbeiten.

  1. StudieJournal of Autism and Developmental Disorders · 2019
    Hull et al.: Development and validation of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire
  2. LeitlinieAWMF · 2018
    S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (028-045)

Wichtig einzuordnen

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand allgemeinverständlich zusammen. Er ersetzt keine individuelle Diagnostik oder Behandlung.

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